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Schwacher Start, starkes Finish
Verbandsligist Sportfreunde Schwäbisch Hall ringt die Sportfreunde Dorfmerkingen mit 2:1 nieder. Kurz vor Schluss kochen die Emotionen hoch. Jetzt ist erstmal Winterpause.
Von Viktor Taschner
Mit dem Gespür eines Torjägers lauert Günter Schmidt auf den entscheidenden Fehler des Gegenspielers. Der Haller Stürmer spekuliert richtig, denn Paul Rauser spielt einen viel zu kurzen Rückpass auf seinen eigenen Torwart Nico Hägele. Schmidt spritzt dazwischen, stürmt auf das Tor zu, umkurvt Hägele und schiebt in der sechsten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 für die Sportfreunde Schwäbisch Hall ein. Der ekstatische Jubel der gesamten Haller Mannschaft zeigt in diesem Moment, wie wichtig dieses Tor ist und noch werden könnte im weiteren Verlauf der Saison, die in der ersten Halbserie so sehr vom Auf und Ab geprägt war.
Sinnbildlich zur bisherigen Runde der Haller steht auch die letzte Partie des Jahres. Gegen die Namensvetter aus Dorfmerkingen finden die Haller Sportfreunde überhaupt nicht ins Spiel. Folgerichtig gehen die anderen Sportfreunde aus Dorfmerkingen nach sechs Minuten in Führung. Der agile Benjamin Walter setzt sich leicht auf dem rechten Flügel durch und seinen Flachpass in die Mitte erreicht Fabian Ehrmann, der zum 0:1 vollendet. Halls Trainer Thorsten Schift platzt da schon fast der Kragen. Er schickt alle Auswechselspieler zum Aufwärmen.
Zweimal Pfosten durch Walter
Trotzdem wird das Haller Spiel zunächst nicht besser. Kaum ein Zweikampf wird auf dem schweren und tiefen Rasen im Optima-Sportpark gewonnen. Es sind die Gäste, die die Begegnung dominieren und in Person von Benjamin Walter auch das Ergebnis hätten erhöhen können, wenn nicht gar müssen. Nach rund 20 Minuten darf Walter von der Strafraumgrenze abziehen. Der Ball prallt an den Innenpfosten und wieder raus. Kaum eine Minute später schießt Walter nochmal aus einer ähnlichen Position, diesmal hilft der Außenpfosten den Gastgebern.
Erst danach finden die Haller vor 465 Zuschauern den Weg zurück ins Spiel. Der 1:1-Ausgleich hat sich vorher nicht angebahnt, aber das war noch nie das entscheidende Kriterium beim Fußball. Und der Treffer fällt, weil die Haller mal zwei Zweikämpfe hintereinander im Mittelfeld gewinnen und deswegen den Ball mit einem schönen Flugball auf die freie rechte Seite verlagern können. Dort darf Philipp Minder Tempo aufnehmen. Seine Hereingabe vollendet Benjamin Kurz.
In der zweiten Hälfte haben dann die Haller mehr vom Spiel. Dorfmerkingen wird nur noch in der 54. Minute gefährlich, als Ismael Kone einen Kopfball aus kurzer Distanz nur knapp neben das Tor setzt. Sonst haben die Gastgeber die klaren Torchancen. Benjamin Kurz wird nach rund einer Stunde schön steil geschickt. Kurz schließt dann im Strafraum ab, der Ball geht aber nur an die Oberkante der Latte. Nach rund 70 Minuten kommt Kurz wieder frei zum Abschluss, verfehlt aber das Tor knapp. In der 78. Minute erreicht eine Ecke Sascha Esau, der sein letztes Spiel für die Sportfreunde gemacht hat, aber er kann den Ball zwei, drei Meter vor dem Tor nicht mit dem Kopf über die Linie drücken.
Rudel und Rote Karte
In der hektischen Schlussphase sind die Haller weiter am Drücker. Nach 88 Minuten kochen die Emotionen hoch. Nach einem gewonnenen Zweikampf am Dorfmerkinger Sechzehner provoziert Paul Rauser den Haller Lorenz Minder und schreit ihn lauthals an. Minder lässt sich das aber nicht gefallen, auch Bruder Philipp Minder mischt sich ein. Es kommt zu einer unübersichtlichen Rudelbildung der Teams. Dorfmerkingens Ismael Kone, der ein vermeintliches Foulspiel vorher an ihm moniert, ist kaum zu beruhigen. Der Schiedsrichter fühlt sich von ihm so bedroht, dass er die Rote Karte für Kone zeigt. In der Nachspielzeit ist es dann der großgewachsene Rauser, der eigentlich als Turm in der Schlacht ein sehr gutes Spiel abliefert, derjenige, der den zu kurzen Rückpass spielt und so den entscheidenden Treffer von Günter Schmidt einleitet.
„Wir hatten heute das nötige Glück am Anfang. Die Mannschaft hat aber nicht aufgegeben. Es war brutal schwer, auf diesem Platz heute Fußball zu spielen. Aber am Ende war der Sieg schon verdient, weil wir in der zweiten Halbzeit die klareren Chancen hatten“, sagt Halls Trainer Thorsten Schift. „Wir müssen uns jetzt in den nächsten fünf, sechs Wochen gut regenerieren. Wir befinden uns weiter im Abstiegskampf. Aber der Sieg heute war wichtig für die Moral. Wir brauchen dann eine gute Vorbereitung und einen Konkurrenzkampf in der Mannschaft.“ Weiter geht es für die Sportfreunde Hall dann am 22. Februar mit dem Nachholspiel beim FC Esslingen. Damit steigen die Haller eine Woche früher wieder in den Spielbetrieb ein, denn der eigentliche Start der Rest-Rückrunde für alle Mannschaften ist am 28. Februar.
