

Im zweiten Versuch konnte diese Begegnung über 90 Minuten plus Nachspielzeit stattfinden, nachdem beim ersten Mal ein vereisender Kunstrasen zum Abbruch nach der ersten Halbzeit führte. Das Wetter war diesmal leidlich besser. Zwar war es nicht so kalt wie damals, dafür regnete es mal mehr, mal weniger, aber ununterbrochen.
Beide Teams wussten um die Bedeutung: Der FC Esslingen hätte mit einem Erfolg bis auf einen Punkt an die Sportfreunde heranrücken können. Die Haller dagegen wollten zur oberen Tabellenhälfte herstellen. In Esslingen fehlte neben den verletzten Niklas Vuletic und Philipp Minder auch Günter Schmidt aus privaten Gründen.
Kaum hatte die Partie begonnen, durften die Gäste bereits jubeln. Sie hatten ohnehin sehr konzentriert begonnen, hatten viele der ersten Zweikämpfe gewonnen. Dann erkannte Lorenz minder, dass ein Rückpass auf einen Esslinger Verteidiger zu kurz geriet. Er spritzte dazwischen und passt den Ball fast von der Torauslinie flach nach innen. Dort rutschte Benjamin Kurz heran und beförderte den Ball zum 0:1 ins Tor.
Der Start war den Sportfreunden also sehr gut gelungen. Doch nach einer Viertelstunde kamen die Gastgeber besser in die Partie, hatten vor allem im zentralen Mittelfeld nun den Zugriff. Und das hätte beinahe Folgen gehabt: Mehmet-Emin Sarikurt schien Joshua Voigt weggeschubst zu haben, doch der Unparteiische ließ weiterspielen. Voigt rappelte sich zwar auf, konnte den Schuss des Esslingers allerdings nicht verhindern. Torwart Bojan Spasojevic parierte mit starker Fußabwehr. Was zu diesem Zeitpunkt keiner der Beteiligten oder der rund 80 Zuschauer, die trotz des Regens ausharrten, ahnte: Es sollte die beste Gelegenheit der Gastgeber in der gesamten Partie sein.
Drei Chancen in drei Minuten
Zwar hatte kurz darauf Lorenz Minder noch eine Chance, doch die Haller spielten nicht mehr so konsequent wie zu Beginn. Doch sie überstanden diese Phase und hätten kurz vor der Pause das 0:2 erzielen können: Lorenz Minder scheiterte freistehend an Esslingens Torwart Panagiotis Diakoulas.
Da rauften sich die mitgereisten Haller Fans schon die nassen Haare, doch hatten sie dazu kurz nach dem Seitenwechsel binnen drei Minuten noch drei weitere Male dazu Gelegenheit: Die Sportfreunde verpassten es, ihre Führung auszubauen. Erst ließen die Esslinger Lukas Hahn alleine im Mittelfeld. Das nutzte dieser, um eine gefühlvolle Flanke auf Luis Pfeiffer zu schlagen, der mit seinem Kopfball die Latte traf. Dann wurde Azad Toptik bei einem Konter gerade noch gestört. Den anschließenden Eckball setzte der aufgerückte Jonas Dambacher an die Latte. „Das gibt es nicht“, war in verschiedenen Varianten auf der Haller Bank zu hören.
Die Esslinger mühten sich im Regen, doch richtig gefährlich wurde es nicht. Die Haller Bank war weiterhin in Alarmbereitschaft. „Es kann immer ein Ball durchrutschen“, formulierte es Trainer Thorsten Schift nach der Partie. Das war durchaus wörtlich zu nehmen. Der Kunstrasenplatz war aufgrund des vielen Regens sehr rutschig. „Der Ball nimmt dann enorm Fahrt auf“, erklärte Verteidiger Joshua Voigt. Standschwierigkeiten gab es auch ab und zu.
Nach 64 Minuten musste Azad Toptik angeschlagen vom Feld, für ihn kam Winterzugang Zarda Serbest Mohammed. Und der Neue, der von der SSV zum Stadtrivalen gewechselt war, feierte nicht nur sein Verbandsligadebüt, sondern auch seine Torpremiere im Sportfreunde-Tor. Vier Minuten vor dem Ende schloss er einen Konter mit einem Schuss ins kurze Eck ab. Damit sorgte er für kollektive Erleichterung im Sportfreunde-Lager. Denn die Gäste waren das bessere Team, hatten es aber lange versäumt, für die Entscheidung zu sorgen.
Sportfreunde-Trainer Thorsten Schift sprach von einer „ordentlichen Partie“ seiner Mannschaft, hob aber hervor, dass jeder sich in den Dienst des Teams gestellt habe und alles gegeben habe. Der Start ins Punktspieljahr 2026 ist den Sportfreunden geglückt. Am kommenden Samstag müssen sie zum regulären Auftakt zum Tabellenvierten TSV Oberensingen. Mit jetzt 24 Punkten sind die Sportfreunde Elfter, doch angesichts des möglichen extrem verschärften Abstiegs sollten die Haller weiter nach oben klettern, um am Ende der Saison nicht zittern zu müssen.


