



Hollenbach dominiert die Sportfreunde Schwäbisch Hall
Viktor Taschner
Die Gäste des FSV Hollenbach haben das Topspiel im Optima-Sportpark vor mehr als 1000 Zuschauern stets im Griff. Der 2:0-Auswärtssieg ist hochverdient.
Topspiel, Derby, Flutlicht, tolle Kulisse, bestes Wetter für diese Jahreszeit. Es hat am Freitagabend im Optima-Sportpark an keiner Zutat gefehlt, um die Verbandsliga-Begegnung zwischen den Sportfreunden Schwäbisch Hall und dem FSV Hollenbach zu etwas Besonderem zu machen. Nach gefühlt einer halben Ewigkeit hatten die Haller in der Liga mal wieder ein richtiges Derby-Heimspiel zwischen zwei Hohenloher Teams und sogleich waren die Tribünen voll. Die gut 1300 Zuschauer wären auch ein oder sogar zwei Ligen höher eine sehr ordentliche Kulisse.
Was den Rahmen betrifft, können die Sportfreunde also durchaus zufrieden sein. Selbst lange nach Spielschluss war noch reger Betrieb in der Business-Lounge und auch im Bereich der Haupttribüne. Die Partie war für viele Fußball-Interessierte der Region ein Treffpunkt, bei dem man Freunde oder Bekannte mal wieder treffen und sich über das Spiel oder auch andere Dinge bei einer Bratwurst und einem Getränk austauschen konnte. Sportlich betrachtet war es jedoch ein ziemlich ernüchternder Abend für die Gastgeber. Über so ziemlich die kompletten 90 Minuten hinweg wurden die Sportfreunde von den Gästen dominiert, sodass der 2:0-Auswärtssieg der Hollenbacher auch vollkommen in Ordnung geht.
Bereits nach zwei Minuten hätte es im Haller Tor klingeln können, aber der Schuss von Hollenbachs Niklas Dörr wird noch abgefälscht und trudelt am Gehäuse vorbei. Nach vier Minuten klärt ein Haller Verteidiger nach einer Hollenbacher Ecke auf der Torlinie mit dem Kopf. In der fünften Minute gehen die Gäste doch in Führung. Wieder ist ein Eckball der Ausgangspunkt. Der Ball wird auf den zweiten Pfosten gezogen und mit dem Kopf in die Mitte zurückgebracht. Dort setzt sich Niklas Breuninger durch und köpft seinerseits an die Latte. Den Abpraller bekommen die Haller aber auch nicht geklärt, sodass am Ende Dörr den Ball im Tor versenkt.
Und auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit bleiben die Hollenbacher spielbestimmend, weil sie robuster, zweikampfstärker, lauffreudiger und auch passsicherer sind. Die Sportfreunde spielen zwar mit einem dritten Innenverteidiger, also einer Fünferkette, aber Stabilität bringt das nicht. Oft sind die Haller Akteure unter großem Druck zu einem Rückpass oder einem hohen Verlegenheitspass gezwungen, weil die Hollenbacher den Raum sehr gut zustellen. Die sehr hoch stehende Fünferkette der Hollenbacher ist im Zweikampf auch überlegen. Die Haller schaffen es nicht, den Raum hinter dieser Kette zu bespielen. Nach 30 Minuten klatscht ein Schuss von Niklas Dörr an den Innenpfosten, Halls Keeper Bojan Spasojevic ist da noch leicht dran. Ein Schuss von Jonas Limbach streicht knapp am Tor vorbei. Zur Pause können sich die Haller nicht beschweren, dass sie nur 0:1 hinten liegen.
In der Pause stellt Sportfreunde-Trainer Tobias Weis um, bringt mit Theo Häussler einen offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler für Innenverteidiger Marc Wagemann. Das Haller Spiel wird etwas besser, Lorenz Minder gibt nach 53 Minuten den ersten ernsthaften Haller Torschuss ab. Aber nach 57 Minuten ist der Schwung vorbei, weil Hollenbach nun das zweite Tor nachlegt. Wieder bekommen die Sportfreunde eine Standardsituation, diesmal eine Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld, nicht geklärt. Am zweiten Pfosten kommt Niklas Breuninger an den Ball und setzt die Kugel an die Unterkante der Latte, von der der Ball ins Tor springt.
Das Einzige, was man den Hollenbach vorwerfen kann, ist, dass sie nicht früher das entscheidende dritte Tor nachlegen, obwohl sie genügend Chancen dazu haben. Hall kann sich auch in der zweiten Halbzeit kaum durchsetzen. Nur einmal muss der Ex-Haller Nico Purtscher im Hollenbacher Tor ernsthaft eingreifen, als Azad Toptik nach einem Steilpass an der Sechzehnmeterlinie Purtschers Fuß anschießt. Selbst in Unterzahl – Jonas Limbach sieht in der 86. Minute nach einem Gerangel Gelb-Rot – hat der FSV in der Schlussphase noch die besseren Möglichkeiten, das Ergebnis auszubauen.
„Ich bin sehr enttäuscht von unserer Leistung heute. Ich hätte nicht gedacht, dass wir heute auch körperlich so unterlegen sind“, räumt Sportfreunde-Coach Tobias Weis ein. „Wir müssen uns schon die Frage stellen, ob es momentan von der Qualität her nur für Rang 5 bis 7 reicht.“ Hocherfreut über den starken Auftritt seines Teams war hingegen Hollenbachs Coach Reinhard Schenker. „Wir waren heute in allen Belangen überlegen. Wir dürfen uns aber darauf nicht ausruhen, sondern müssen die Basics, die wir heute gezeigt haben, immer an den Tag legen. Dann kommen auch unsere spielerischen Stärken zum Tragen.“

